Quelle: Bild.de vom 27.07.2019

So leiden die Menschen in den Altenheimen

Lingen ist seit Donnerstag Deutschlands heißester Ort, 42,6 Grad wurden dort gemessen.
Die Senioren im dortigen Stephanus-Pflegeheim kämpfen mit der Hitze. Elisabeth Schmidt (93) kühlt sich mit einem Fußbad ab: „Es ist schon anstrengend, wenn es so heiß ist!“ Das kühle Wasser sei „ein Segen“, schwärmt die Rentnerin.

Ein kühler Segen, der verdammt notwendig ist, denn: Der Rekordsommer kann für viele Alte tödlich enden! „Hitzewellen stellen eine zunehmende Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung dar“, heißt es im Gesundheitsministerium. Eine erhöhte Sterberate droht „insbesondere Älteren, Alleinlebenden oder Pflegebedürftigen“.

Im Jahrhundertsommer 2003 sind mindestens 7600 Menschen hitzebedingt gestorben, wie das renommierte Robert Koch-Institut (RKI) berechnet hat. Im vergangenen Sommer, der ebenfalls extrem heiß war, soll die Zahl ähnlich hoch gewesen sein, sagt RKI-Forscher Matthias an der Heiden.

UND WER SCHÜTZT UNSERE ALTEN, GERADE IN DEN HEIMEN?

▶︎ Senioren haben ein geringeres Durstgefühl, müssen immer wieder ans Trinken erinnert werden. „Das kostet wesentlich mehr Zeit als an normalen Tagen, ist aber extrem wichtig“, sagt Carola Stenzel-Maubach (53) vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe.

▶︎ 26 Grad Raumtemperatur sollen nicht überschritten werden, empfehlen Experten. In den Altbauten vieler Krankenhäuser und Heime ist das aber kaum einzuhalten. Die Mitarbeiter improvisieren: sorgen für Durchzug, stellen Ventilatoren auf, verdunkeln die Räume.



▶︎ „Es kann nicht sein, dass jeder Supermarkt auf Kühlschrank-Niveau gekühlt ist und gleichzeitig die Menschen in Altenheimen und Krankenhäusern sterben, weil es dort kaum Klimaanlagen gibt“, sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (56). Länder und Kommunen seien in der Pflicht, die Einrichtungen „dringend“ zu unterstützen.

Auch Andreas Wedeking (52), Geschäftsführer des Verbands katholischer Altenhilfe in Deutschland (900 Einrichtungen, 80 000 Bewohner), schlägt Alarm. Baurecht ist Ländersache, die Träger finden deshalb einen Flickenteppich an Vorschriften vor. Er fordert eine „finanziell vom Staat unterstützte Klimaanlagen-Pflicht für Pflegeheime, Betreuungseinrichtungen und Krankenhäuser“.



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